Beim Elektronenstrahlschweißen wird die benötigte Energie durch (von Hochspannung (60–150 kV) beschleunigten)
Elektronen in die Prozesszone eingebracht. Die Strahlbildung erfolgt immer im
Vakuum . Der Schweißvorgang wird meist im Vakuum ausgeführt, bei manchen Anlagen an der Atmosphäre. Beim Aufprall der Elektronen auf das Werkstück setzen diese einen Großteil ihrer kinetischen Energie in Wärme um.
Die Energiedichte beträgt im Brennfleckdurchmesser von unter 0,1 mm bis 2 mm im Bereich 10
5 bis 10
9 W/cm
2. Das Elektronenstrahlschweißen bietet eine etwa gleich große Leistungsflussdichte wie das Laserstrahlschweißen bei deutlich höherem Wirkungsgrad (Laser: 3–14 %, Elektronenstrahl: ca. 70 %). Es sind hohe Schweißgeschwindigkeiten mit extrem tiefen und schmalen Nähten möglich. Durch die geringen Nahtbreiten kann der Verzug sehr klein gehalten werden. Beim Schweißen kleiner Schweißnähte kommt das Verfahren zum Einsatz, da der Elektronenstrahl durch angelegte elektrische Felder exakt abgelenkt werden kann. Das Spektrum möglicher Nahttiefen liegt zwischen 0,3 mm und 300 mm (Aluminium), bei Stahl 150 mm. Die hohe Energiedichte erlaubt das Verschweißen aller, auch höchstschmelzender, Metalle sowie die Herstellung von Mischverbindungen durch das Verschweißen verschiedener Materialien, z. B. von Stahl und Bronze.
Elektronenstrahlschweißanlagen werden häufig in der Massenfertigung von Getriebebauteilen in der Automobilindustrie eingesetzt (vor allem Japan und Deutschland). Neben simplen, preisgünstigen Lohnaufträgen werden auch Bauteile für die Luft- und Raumfahrt, den Schienenverkehr und die Nahrungsmittelindustrie elektronenstrahlgeschweißt.
Weitere Informationen
Tiefschweißeffekt

Beim Eindringen in Materie werden Elektronen abgebremst und geben ihre Bewegungsenergie größtenteils in Form von Wärme ab.
Der Tiefschweißeffekt entsteht dabei folgendermaßen:
Ein Elektron nach dem anderen trifft auf der Oberfläche des Werkstücks auf und erhitzt diese punktuell. Bei Energiedichten oberhalb von ca. 106 W/cm2 verdampft das geschmolzene Material im Zentrum des soge-nannten Brennflecks.
Dabei entsteht eine Kapillare aus Dampf, die von flüssigem Material umgeben ist. Sie erlaubt dem Strahl, tiefer vorzudringen und wieder festes Material aufzuschmelzen.
Wird das Werkstück relativ zum Strahl bewegt, so schmilzt das Material vor dem Strahl auf, fließt um die Dampfkapillare herum und erstarrt auf ihrer Rückseite.
Durch den Tiefschweißeffekt können schlanke Schweißnähte mit Tiefen von mehr als 100 mm erzeugt werden (Bild Tiefschweißung in Aluminium (150 mm). Ein Schachtverhältnis von Tiefe zu Breite der Naht von bis zu 50:1 ist dabei erreichbar.
Prozessparameter
Der Elektronenstrahl lässt sich präzise beherrschen. Alle Prozessparameter können einfach und direkt als elektrische Größen gemessen und geregelt werden.
Die Messung elektrischer Ströme ist einfacher als die Messung von Licht und optischen Größen Innovative Ablenkverfahren und schnelle CNC-Steuerungssysteme eröffnen neue Möglichkeiten zur Bearbeitung von Werkstoffen.
Von den präzisen Einstellmöglichkeiten profitieren alle Anwendungen des Elektronenstrahls:
Durch einfache und verlässliche Messungen lassen sich alle Einstellparameter des Strahls exakt aufzeichnen und leicht reproduzieren. Eine direkte Rückkopplung in den Regelkreis ist machbar. Die Ausrichtung des Elektronenstrahls auf die Bearbeitungsstelle kann dadurch sowohl manuell als auch vollautomatisch erfolgen und ist einfach zu handhaben.
Zulässiger Spalt
Die maximal zulässige Spaltbreite liegt bei einem bis fünf Prozent der Schweißtiefe, jedoch maximal bei 0,3 mm. Abweichungen von diesen Werten müssen im konkreten Anwendungsfall geprüft werden.
Größere Spalte sind sind nur mit abstrichen in der Schweißnahtqualität (Nahteinfall) oder mit Zugabe von Zusatzwerkstoff schweißbar. Beides ist in der Regel aus technischer bzw. kaufmännischer Sicht nicht gewünscht.
Konstruktion
Das Elektronenstrahlverfahren eröffnet Ihnen als Konstrukteur bei Fügeproblemen ungeahnte Freiheiten. Die Optimierung der verwendeten Materialien erlaubt den Einsatz kostengünstiger Produktionsverfahren. Denn das Arbeiten mit dem Elektronenstrahl garantiert nicht nur Verzugsarmut und höchste Präzision.
Der Einsatz des Elektronenstrahls im Mehrstrahlprozess überwindet auch Grenzen, die anderen Schweißverfahren gesetzt sind:
Beim Schweißen ist der Elektronenstrahl gegenüber dem Laser im Vorteil, wenn innerhalb enger Toleranzen gefertigt werden muss, das Werkstück nicht zu heiß werden darf oder sehr große Schweißtiefen gefordert sind. Da viele Werkstücke aus einzelnen Komponenten gefügt werden können, ist es oft möglich, teure Werkstoffe durch kostengünstigere zu ersetzen. Eine intelligente Schweißkonstruktion kann daher teure Zerspanungs- oder Erodierarbeit an anderer Stelle überflüssig machen.
Werkstoffe

Die hohe Energiedichte erlaubt das Schweißen aller, auch höchstschmelzender, Metalle sowie die Herstellung von Mischverbindungen durch das Verschweißen verschiedener Materialien, z.B. von Stahl und Bronze (Bild Typische Tiefschweißung in Bronze/Stahl (20 mm)).
So gelingt es pro-beam mit Hilfe des Elektronenstrahlverfahrens, Aluminium-Druckgussteile sicher zu verbinden. Reste von Trennmitteln, die im Material als Gas eingeschlossen sind, können langsam austreten, ohne dass es zur gefürchteten explosionsartigen Ausdehnung der Gase kommt.
Die Bildung von Heißrissen bei hochfesten Nickellegierungen lässt sich in vielen Fällen durch gezielt versetztes Wärmen kontrollieren.
Mehrbadtechnik

Durch den Einsatz der pro-beam Mehrbadtechnik können mit einem Elektronenstrahl gleichzeitig bis zu sechzig Schweißnähte erzeugt werden. Das Schweißen der Axialnaht an einem Schaltrad erfolgt mit drei Bädern (Dreibadtechnik zum Schweißen eines Schaltrades.) .
Dieses Vorgehen minimiert den Verzug und verkürzt die Schweißzeit um zwei Drittel. Außerdem kann auf teure Spanntechnik und Heftschweißungen verzichtet werden. Die Abweichungen von Rundlauf und Planschlag sind in diesem Beispiel kleiner als fünf Hundertstel Millimeter.