18.05.2016

Interview Dr. Konya – Projektmanager bei pro-beam und verantwortlich für das ITER-Projekt

Dr. Konya: Das Projekt könnte das Energieproblem der Menschheit lösen, indem es eine unerschöpfliche Energiequelle erschließt. Wie kamen Sie in die Verantwortung zu diesem Projekt bei pro-beam und ist Ihnen bewusst, dass Sie an einem Projekt mitwirken, dass die ganze Menschheit verändern könnte?  


Gerade dies ist der Charme, der dieses Projekt ausmacht! Der Gedanke, an einem Projekt mitwirken zu können, welches die Menschheit bis weit in die Zukunft beeinflussen und maßgeblich prägen könnte, indem es die Energiegewinnung der Sonne (die Fusion) nutzbar macht, ist faszinierend und motivierend zugleich. Persönlich war auch dieser Gedanke entscheidend, um 2014 von der Universität zu pro-beam zu wechseln. Für dieses Projekt und die Möglichkeit es im bescheidenen Maße mitzugestalten, habe ich bei pro-beam angefangen.

 

 

 

Worin besteht aus Ihrer Sicht (schweiß)technisch die größte Herausforderung und welche Lösung wurde im Hause pro-beam gefunden?


Die größte Herausforderung besteht in der Variabilität der zahlreichen Schweißaufgaben.

Die über 2800 Schweißaufgaben mit ca. 3,5 km Schweißnahtlänge, die pro-beam am ITER mit dem Elektronenstrahl schweißt, variieren von Schweißnaht zu Schweißnaht, mal mehr mal weniger. Wir haben hier also keine klassische Serienfertigung mit immer wiederkehrenden gleichen Bedingungen, viel mehr kann man von einer Großserienfertigung von variierenden Einzelteilen sprechen. Diese Variabilität stellt eine große Herausforderung an alle Prozessabläufe dar.
Darüber hinaus besteht eine wesentliche Aufgabe im Management der Dokumente und der Arbeitsplanung im Rahmen eines straffen Zeitplans. Höchste Anforderungen werden auch an die Schweißparameter gestellt, die robust sein müssen, um bei den wechselnden Randbedingungen ein sicheres Ergebnis mit hoher Schweißnahtqualität zu liefern.
Gerade für das Elektronenstrahlschweißen, einem Verfahren, das deutlich weniger bekannt ist als zum Beispiel das WIG Schweißen, ist es wichtig, alle Beteiligten und Instanzen mit „ins Boot“ zu holen. Es ist gut zu wissen, dass der Elektronstrahl ein verzugsarmes Schweißverfahren mit geringem Wärmeeintrag ist. Der Verzug ist dabei so gering, dass die zu schweißenden Sektoren mit Abmaßen von 11x7 m, in den geforderten Toleranzen gehalten werden kann. Die verbleibende Exzentrizität bewegt sich innerhalb von Zehntel Pro Mill in Bezug auf Bauteilabmessung und beeinflusst die Funktion nicht. 
Das Verfahren ermöglicht es eine 60 mm dicke Schweißnaht in wenigen Minuten prozesssicher herzustellen.
Das sind nur einige Beispiele,  die die Vorzüge des Elektronenstrahlschweißens zeigen.
Das hervorragende Schweißergebnis des Elektronenstrahls spricht am Ende ganz alleine für sich.   

 

Bei einem Projekt mit Aktivitäten verteilt auf drei Kontinente, wo die Akteure über 30 Sprachen sprechen, wie – und wie gut – funktioniert da die Kommunikation?

 
Die Möglichkeit, in einem großen internationalen Team beteiligt sein zu können, ist Bestandteil des Charmes des ITER-Projektes.
Es stellt natürlich auch eine Herausforderung dar bei einem hoch komplexen Projekt die Abstimmung aller Beteiligten zu gewährleisten. Das funktioniert nur mit einer engen und kontinuierlichen Abstimmung. Da können an manchen wichtigen Telefonkonferenzen mehr als 30 Personen teilnehmen. Nicht alle Besprechungen, Video- & Telefonkonferenzen oder E-Mails führen jedoch auf Anhieb zu einem Ergebnis. Manchmal ist der Weg länger, gerade bei vielen involvierten Parteien. Aber durch professionelles und zielführendes Arbeiten sind wir bis jetzt immer ans Ziel gekommen, so, dass wir nun in der Produktionsphase des ITER Vakuumbehälters als Herzstück des Reaktors, angekommen sind.


Vielen Dank für das Interview und weiterhin einen erfolgreichen Weg.